MOZ 2019-08-29
Silvia Passow

Oberstufenzentrum Havelland ist nun "Partner fürs Leben"


Papiere ausfüllen und Abstrich mit dem Watteträger. Julie aus Markee und Jona aus Brieselang ließen sich für die gute Tat nicht lange bitten.
Quelle: Silvia Passow

Nauen "Von allen Schulen, die ich im Landkreis Havelland angeschrieben habe, hat keine so schnell reagiert wie das Oberstufenzentrum (OSZ) Havelland", sagt Christina Fischer. Fischer ist für die "Deutsche Stammzellspender Datei" (DSD) tätig. Das dazugehörige Schulprojekt wurde 2014 entwickelt. An den drei Standorten des OSZ war die Resonanz auf ihren Besuch groß. Viele der Schüler haben sich nicht nur brennend für das Thema der Stammzellenspende interessiert, sie haben sich auch hinterher als Spender in die Datei eintragen lassen.

Wehrmutstropfen für Fischer: Nur die wenigsten der angeschriebenen weiterführenden Schulen im Havelland haben sich überhaupt zurückgemeldet. "Wir wollen wissen, wie man unterstützen kann", sagt Eckhard Vierjahn, Schulleiter am OSZ mit seinen Standorten in Rathenow, Friesack und Nauen. Und er hat einen traurigen Grund dafür. "Wir hatten hier an der Schule eine Schülerin mit Leukämie. Als sie verstarb, ließ sie uns alle betroffen zurück."

Mit der Möglichkeit, mehr über eine Stammzellenspende zu erfahren und sich in die Datei eintragen zu lassen, kann geholfen werden. Da möchte er mit seinen Schülern einen Beitrag leisten. Dass die Erkrankung und das Sterben bei den Schülern unterschiedliche Gefühle auslöste, bestätigt auch Sara Karolak, Seminarleiterin der Theater-Gruppe. Angelehnt an die gleichnamige Fernsehserie haben sie das Theaterstück "Der Club der roten Bänder" auf die Bühne gebracht. "Die Schüler waren vom Schicksal ihrer Mitschülerin sehr bewegt und hatten etwas zum Thema machen wollen", sagt sie.

1.350 zweite Chancen

Die DSD ist eine von 26 Dateien, in denen die Daten von Stammzellspendern verwaltet werden. In Deutschland sind 7,5 Millionen Menschen in einer dieser Dateien registriert. Keine dieser Dateien arbeitet allein, alle arbeiten mit dem Zentralen Knochenmarksspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland zusammen. In den letzten 25 Jahren konnten die Spender der DSD 1.350 neue Chancen auf Leben verschenken. Etwa 12.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer Leukämie, darunter sind rund 600 Kinder.

Für die lebensrettende Stammzell- oder Knochenmarksspende sind bestimmte Voraussetzungen nötig. Das gespendete Material muss zum Spender ganz genau passen, die sogenannten HLA-Merkmale werden dazu bestimmt. Das nennt man auch typisieren. Diese Merkmale sollten möglichst ähnlich sein, um eine Abstoßreaktion auszuschließen. Die besten Chancen auf einen Spender mit sehr ähnlichen HLA Merkmalen finden sich im Kreis der eigenen Geschwister. So man welche hat. Drei Geschwister, so Fischer, wären optimal, hier gäbe es die besten Chancen auf eine Übereinstimmung.

Christina Fischer spricht vor den Schülern in Nauen und bittet nun, Arme hoch, wer hat drei weitere Geschwister. Es ist ein Arm, der sich reckt. Rund 30 Prozent der an Leukämie Erkrankten findet einen Spender in der Familie. Die anderen 70 Prozent werden über Spenderdateien, wie die DSD, gesucht. "Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto besser die Chancen für alle, die an Leukämie erkranken", sagt Fischer.

Ein Watteträger kann Leben retten

In die Spenderdatei der DSD kann aufgenommen werden, wer zwischen 18 und 50 Jahren alt ist und nicht unter infektiösen oder chronischen Erkrankungen leidet. Die Typisierung kann durch eine Blutentnahme erfolgen oder durch einen Wangenabstrich mittels Watteträger. Beide Methoden seien gleichwertig, sagt Fischer. Sollte es einen Erkrankten geben, der die Spende benötigt, kann es zur peripheren Stammzellenentnahme kommen oder zur Knochenmarksentnahme. Bei beiden Verfahren sorgt die DSD für den Spender, es sollen ihm keine Kosten entstehen, mit anderen Stellen, wie zum Beispiel dem Arbeitgeber, reden die Mitarbeiter der DSD.

In Deutschland dürfen sich Spender und der Entgegennehmer der Spende nach zwei Jahren kennenlernen, wenn beide es möchten. In der Regel erfährt der Spender, welches Alter und Geschlecht der Erkrankte hatte und welche Nationalität. Letztere entscheidet, ob man sich kennenlernen darf und wann. So erlauben zum Beispiel die türkischen Gesetze ein Kennenlernen erst nach zehn Jahren.

In Rathenow haben sich letzten Montag 26 Schüler bei der DSD registrieren lassen. In Friesack kamen noch 34 weitere potenzielle Spender dazu. Und auch in Nauen griffen sich 67 Schüler die Sets mit den Watteträgern und füllten eifrig die Spenderausweise aus. Mit diesen neuen Spendern trägt das OSZ zu Recht den Titel "Partner fürs Leben" - als Erste im Landkreis Havelland.